Kaffeetscherln

„Großvater, kannst du ned obakumman auf an schnellen Kaffee?“ Was uns die österreichische Kult-Band STS vor mehr als 30 Jahren vorgeträllert hat – und ja, wir lieben den Song, dem diese Zeile entstammt, nach wie vor –, können wir heute nicht mehr unterschreiben. Ein schneller Kaffee? Hä? Vielleicht auch noch im Vorbeigehen an der Bar als Shot gekippt, wie in Bella Italia? Sicher nicht. Nichts gegen Italien und auch nichts gegen den armen Großvater im STS-Song, dem man offensichtlich nicht viel Zeit schenken wollte. Wir finden aber: Der Genuss einer guten Tasse Kaffee muss zelebriert werden. Schnell geht da erstmal gar nichts. Daher an dieser Stelle eine kleine Guideline für alle, die mit dem Thema „Österreichische Kaffeehauskultur“ noch ein bisschen warm werden müssen. 
 

Wo auch immer ihr am Attersee euren Kaffee trinken wollt: Die oberste Regel lautet: „Piano – wir gehen es langsam an.“ Und so geht‘s: Ihr wählt in aller Ruhe aus Espresso, Espresso doppio, Verlängertem, Melange, Einspänner, Cappuccino mit Schlag oder Milchschaum, großem oder kleinem Braunen, Caffè Latte, Eiskaffee und allen möglichen veganen Varianten mit Soja- oder Hafermilch aus. Nochmal: nichts überstürzen. Gut Kaffee braucht Weile. Wenn der Kellner eure Bestellung aufnehmen will, verwickelt ihr ihn sicherheitshalber noch in ein Fachgespräch über die einzelnen Unterschiede im Angebot, über die Ausbeutung von Kaffeebauern und Lactoseunverträglichkeit. Den interessiert das alles zwar nicht die Bohne, aber wenn er wirklich was von seinem Geschäft versteht, wird er euch zumindest sagen, dass ein Kaffee ohne etwas Süßem gar nicht geht. Und da hat er Recht. Denn: Zur österreichischen Kaffeehauskultur gehört auch die österreichische Mehlspeisenkultur. Das hat irgendwie etwas mit Yin und Yang zu tun. Bitte nicht weiter nachfragen, einfach Kuchen, Torte oder Keks zum Kaffee eurer Wahl mitbestellen. Ihr werdet es nicht bereuen. 

 

Bildschirmfoto 2019-06-09 um 16.51.02.pn